Die Ausgangslage
Die PJM Investment Akademie bildet Privatpersonen im Umgang mit Geld und an der Börse aus. Gegründet wurde sie Ende 2014 in Hamburg von Philipp J. Müller. Nach eigenen Angaben ist sie Europas grösste Investment-Akademie; auf der eigenen Website nennt sie über 25'000 Mitglieder und mehr als 160 Regionalgruppen im deutschsprachigen Raum.
Der Lehrstoff ist umfangreich und über Videomodule, Seminare und Live-Trainings organisiert. Das funktioniert für Menschen, die sich bewusst dafür entschieden haben. Schwieriger wird es bei allen anderen im Umfeld — Partnerinnen, Freunde, Kinder. Wer nie einen Kurs bucht, kommt mit dem Thema nie in Berührung.
Die Aufgabe
Gesucht war etwas, das Grundlagen vermittelt, ohne wie Unterricht zu wirken. Kein Quiz mit Fragekarten — das ist Abfragen und bleibt nicht hängen. Sondern ein Spiel, in dem man das Verhalten, um das es geht, tatsächlich ausführt: kaufen, halten, verkaufen, abwarten, und dabei erleben, was Geduld bringt und was Hektik kostet.
Die Lösung
Entstanden ist ein strategisches Brettspiel, in dem jede Spielerin ein Depot aufbaut. Aktienkarten stehen für Unternehmen aus verschiedenen Branchen, ein Würfel bewegt den Markt, ein Dividenden-Blatt hält fest, was die gehaltenen Positionen abwerfen. Wer eine Aktie länger hält, bekommt Ausschüttungen. Wer bei jeder Bewegung verkauft, verliert genau diesen Effekt.
Damit ist der Kernsatz der Akademie nicht auf eine Karte gedruckt, sondern in eine Regel übersetzt. Man liest ihn nicht, man erfährt ihn — indem man verliert, wenn man ihn ignoriert.
Das Ergebnis
Das Konzept überzeugte so weit, dass PJM die geistigen Eigentumsrechte vollständig übernommen hat. Das Spiel gehört heute der Akademie, die es exklusiv an ihre Mitglieder vertreibt — als Zeichen der Wertschätzung und gleichzeitig als Lernwerkzeug, das über den Kurs hinaus wirkt.
Mitgliederzahl und Reichweite nach Angaben der PJM Investment Akademie.
Der Nebeneffekt
Wie eingängig eine Mechanik geworden ist, zeigt sich selten bei denen, für die sie gedacht war. Beim PJM-Spiel zeigt es sich bei den Kindern: Sie spielen mit ihren Eltern mit und entwickeln dabei ein erstes Verständnis dafür, was eine Aktie ist und warum eine Dividende ausgeschüttet wird — ganz ohne Absicht, jemanden zu unterrichten.
Diese Reichweite war nie Teil des Auftrags. Sie entsteht, weil ein Spiel im Regal steht und herausgeholt wird, während ein Kursmodul im Mitgliederbereich liegen bleibt.
Was sich daraus mitnehmen lässt
- Ein Inhalt wird zur Regel, nicht zur Fragekarte. Wer im Spiel gewinnen will, muss den Inhalt anwenden. Damit hat er ihn begriffen.
- Der Kern muss klein sein. Am Anfang standen zehn Lernziele, getragen haben am Ende zwei. Alles Weitere wäre Verzierung gewesen.
- Die Reichweite geht über die Zielgruppe hinaus. Ein Spiel wird weitergegeben und mitgespielt, auch von Menschen, die nie eingeladen wurden.
- Rechte gehören früh geklärt. Bei PJM war die vollständige Übertragung Teil der Vereinbarung. Wer ein Spiel kommerziell verwerten möchte, regelt das vor der Entwicklung, nicht danach.